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"Ein echter Fortschritt": Dr. Sleiter über die Ergebnisse der Nobel-Biocare-Studie

1.564 Implantate, 29 Zentren weltweit, ein Ziel: Herausfinden, ob eine neue Implantat-Oberfläche auch bei Risikopatienten hält, was sie verspricht.

Dentalspecialist in Egerkingen war eine von den nur 29 Praxen weltweit in dieser Studie. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor und Dr. Roberto Sleiter erklärt im Interview, was sie für seine Patienten bedeuten.

Bedeutung der Ergebnisse für Risikopatienten

Dr. Sleiter, die Studie zeigt: Selbst bei Rauchern, Diabetikern oder Patienten mit Knochenaufbau liegt die Erfolgsrate über 96%. Was bedeutet das konkret für Patienten, denen man früher vielleicht von Implantaten abgeraten hätte?

Zunächst einmal: Rauchen oder eine schlechte Mundhygiene erhöhen das Risiko nach wie vor. Das können wir nicht schönreden. Aber die Studie zeigt, dass wir auch diesen Patienten Implantate anbieten können – mit einer ehrlichen Information.

Das heißt konkret: Wer raucht oder Vorerkrankungen hat, muss besser reinigen und häufiger zur Kontrolle kommen. Wenn Patienten das verstehen und mitmachen, stehen die Chancen gut. Früher hat man in solchen Fällen oft grundsätzlich abgeraten. Heute können wir differenzierter entscheiden.

Erkenntnisse für den Praxisalltag in Egerkingen

Sie waren eine von nur 29 Praxen weltweit in dieser Studie. Welche Erkenntnis hat Ihren Praxisalltag in Egerkingen am meisten verändert?

Ehrlich gesagt: Der Alltag hat sich nicht grundlegend verändert – abgesehen vielleicht von viel zusätzlicher Arbeit durch die Dokumentation. Aber genau das war auch interessant: Wir konnten unsere eigene Statistik mit den internationalen Daten abgleichen und sehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was mich motiviert hat, war die Tatsache, überhaupt angefragt zu werden und einen kleinen Teil zu einem größeren Ganzen beizutragen. Die neue Ti-Unit-Oberfläche verwenden wir jetzt ohnehin durchgängig. Bei so einer Studie geht es um Geben und Nehmen: Wir investieren Zeit in die Dokumentation und bekommen dafür Einblicke in eine große Datenbasis. Das ist wertvoll.

Wirkweise der Ti-Unit-Oberfläche

Die Ti-Unit-Oberfläche ist im Gewinde rauer und am Implantathals glatter. Klingt technisch – aber was macht das mit Bakterien und Knochen?

Das Konzept dahinter ist elegant: Die raue Oberfläche im unteren Bereich, dort wo das Implantat im Knochen sitzt, soll besser und schneller einheilen – das nennt man Osseointegration. Der Knochen wächst sozusagen in die Struktur hinein.

Im oberen Teil, wo das Zahnfleisch ansetzt, ist die Oberfläche glatter, weniger porös und körnig. Hier geht es um die Weichteile: Das Zahnfleisch soll besser einheilen, sich natürlicher um das Implantat legen.

Und genau das ist der langfristige Gedanke: Wenn das Weichgewebe dichter abschließt, haben Bakterien es schwerer einzudringen. Das Ziel ist, mittelfristig weniger Periimplantitis zu sehen – also Entzündungen rund um das Implantat.

Die Langzeit-Prognose

Die Studie läuft noch bis zu 3 Jahren Follow-up. Worauf sind Sie in den nächsten Daten besonders gespannt?

Ich bin gespannt, ob sich die Hypothese langfristig bestätigt: Dass diese Oberfläche wirklich besser abschneidet als die vorherigen. Die ersten Daten nach einem Jahr sind vielversprechend. Die Weichteile sehen schöner aus, die Entzündungsraten sind niedrig.

Aber die spannende Frage ist: Bleibt das so? Sehen wir auch nach drei Jahren weniger Periimplantitis? Wenn ja, wäre das ein echter Fortschritt. Nicht nur eine neue Idee, sondern eine messbar bessere Lösung für unsere Patienten.

Ausblick: Was die Nobel-Biocare-Studie zeigt

Die Zwischenergebnisse der internationalen 1.000-Patient-Study von Nobel Biocare belegen:

  • 97,8% Überlebensrate bei 1.564 Implantaten über bis zu 42 Monate
  • Vergleichbar gute Ergebnisse auch bei Risikopatienten (Raucher, Diabetes, Knochenaufbau)
  • Minimale Entzündungszeichen und gesundes Weichgewebe nach einem Jahr

Die detaillierten Ergebnisse der Studie finden Sie hier:

Internationale Nobel-Biocare-Studie